Der digitale Produktpass kommt: Werden wir bald sehen, woraus jedes Produkt besteht?
Wie lange hält ein Produkt? Woraus besteht es? Gibt es Ersatzteile? Und wie lässt es sich am Ende recyceln? Genau solche Informationen sollen künftig häufiger über einen digitalen Produktpass verfügbar werden.
Was ist ein digitaler Produktpass?
Er ist vereinfacht gesagt ein digitaler Datensatz, der einem konkreten Produkt oder Produkttyp zugeordnet wird. Zugriff könnte beispielsweise über QR-Code oder eine andere Kennzeichnung erfolgen.
Welche Daten enthalten sein müssen, wird nicht für alle Waren identisch sein. Die EU legt Anforderungen schrittweise für einzelne Produktgruppen fest.
Warum führt die EU ihn ein?
Produkte sollen langlebiger, reparierbarer und kreislauffähiger werden. Dafür brauchen Verbraucher, Reparaturbetriebe, Recycler und Behörden verlässliche Produktinformationen.
Welche Informationen könnten enthalten sein?
- Materialzusammensetzung
- Angaben zu problematischen Stoffen
- Reparatur- und Wartungsinformationen
- Ersatzteile
- Demontage- oder Recyclinghinweise
- je nach Produkt Daten zu Herkunft oder Umweltleistung
Kann ich dann bei jedem Produkt den CO₂-Fußabdruck sehen?
Nicht automatisch. Welche Angaben verpflichtend werden, hängt von den jeweiligen delegierten Rechtsakten und Produktgruppen ab. Der Produktpass ist also keine einheitliche „Nachhaltigkeitsampel“ für alles.
Wann kommt der digitale Produktpass?
Die EU-Verordnung über Ökodesign für nachhaltige Produkte – ESPR – gilt seit 2024. Die konkreten Anforderungen werden schrittweise ausgearbeitet. Batterien gehören zu den Bereichen, bei denen digitale Produktinformationen besonders früh relevant werden.
Was bringt das Verbrauchern?
Im besten Fall lassen sich Produkte künftig leichter vergleichen und länger nutzen. Wer bereits vor dem Kauf sieht, ob Ersatzteile verfügbar sind oder wie ein Gerät zerlegt werden kann, kann informierter entscheiden.
Was bringt der Pass dem Recycling?
Recycler könnten schneller erkennen, welche Materialien und Bauteile in einem Produkt stecken. Das wird besonders wichtig bei komplexen Produkten mit vielen verschiedenen Werkstoffen.
Was bedeutet das für Online-Shops?
Langfristig könnten Produktdaten deutlich umfangreicher werden. Händler müssen je nach Produktgruppe möglicherweise sicherstellen, dass vorgeschriebene Informationen digital zugänglich sind.
Für Marken kann das gleichzeitig eine Chance sein: transparente Material-, Pflege- und Reparaturinformationen werden leichter sichtbar.
Wie passt das zu Urban Mining?
Wenn wir wissen, wo welche Materialien verbaut sind, lassen sie sich später besser zurückgewinnen. Genau deshalb ergänzen sich Urban Mining und digitale Produktinformationen.