Farbe, die Häuser kühlt: Kann man Klimaanlagen einfach überstreichen?
Ein Haus streichen – und danach weniger kühlen müssen? Spezielle Beschichtungen für passive radiative Kühlung machen genau dieses Prinzip möglich.
Warum werden Dächer in der Sonne so heiß?
Dunkle Oberflächen absorbieren einen großen Teil der Sonnenstrahlung und wandeln sie in Wärme um. Ein aufgeheiztes Dach gibt diese Wärme anschließend an das Gebäude ab.
Weiße Dächer reflektieren bereits deutlich mehr Sonnenlicht. Neue Kühlbeschichtungen versuchen zusätzlich, die Wärmeabstrahlung gezielt zu optimieren.
Was bedeutet radiative Kühlung?
Jeder warme Körper gibt Infrarotstrahlung ab. Bestimmte Wellenlängen können die Erdatmosphäre relativ gut passieren und ins Weltall abstrahlen.
Eine geeignete Oberfläche kombiniert deshalb zwei Eigenschaften:
- sehr hohe Reflexion von Sonnenlicht
- starke Abgabe von Wärmestrahlung im atmosphärischen Fenster
Wie groß kann der Effekt sein?
In Labor- und Freilandversuchen wurden bei modernen Beschichtungen deutlich niedrigere Oberflächentemperaturen als bei herkömmlichen Materialien gemessen. Eine 2026 veröffentlichte Studie kombinierte beispielsweise eine stark reflektierende Kühlbeschichtung mit einem Phasenwechselmaterial und berichtete unter Testbedingungen von erheblichen Temperaturreduktionen.
Solche Werte lassen sich aber nicht pauschal auf jedes Haus übertragen. Klima, Bewölkung, Dachaufbau, Dämmung und Luftbewegung verändern das Ergebnis.
Kann man damit die Klimaanlage ersetzen?
Meist nicht vollständig. Passive Kühlung reduziert Wärmeeintrag, erzeugt aber keine frei steuerbare Raumtemperatur wie eine Klimaanlage.
Interessant ist vielmehr die Kombination: Je weniger Wärme ins Gebäude gelangt, desto weniger Energie braucht eine aktive Kühlung.
Wo könnte die Technik besonders sinnvoll sein?
- Flachdächer und Hallen
- Gebäude in heißen, sonnigen Regionen
- Container und technische Gehäuse
- Flächen mit hohem solarem Wärmeeintrag
Welche Probleme sind noch offen?
Beschichtungen müssen wetterfest, langlebig, sauber zu halten und wirtschaftlich sein. Außerdem ist in kühlen Jahreszeiten nicht immer maximale passive Kühlung erwünscht.
Forschende arbeiten deshalb auch an „smarten“ oder jahreszeitlich ausgleichenden Lösungen.