Abwasser wird zum Rohstoff: Warum Deutschland ab 2029 Phosphor zurückgewinnt
Was wir über die Toilette oder den Abfluss entsorgen, enthält einen Rohstoff, ohne den moderne Landwirtschaft kaum funktioniert: Phosphor.
Warum brauchen wir Phosphor?
Phosphor ist ein lebensnotwendiges Element. Pflanzen benötigen ihn für Wachstum und Energiehaushalt. Deshalb ist Phosphat ein zentraler Bestandteil vieler Düngemittel.
Deutschland besitzt keine bedeutenden natürlichen Phosphatlagerstätten und ist auf Importe angewiesen.
Wie landet Phosphor im Klärschlamm?
Menschen nehmen Phosphor über Lebensmittel auf. Ein Teil wird wieder ausgeschieden und gelangt über das Abwasser in Kläranlagen.
Dort wird Phosphor aus dem Wasser entfernt, damit er Flüsse und Seen nicht überdüngt. Ein großer Anteil sammelt sich anschließend im Klärschlamm.
Was ändert sich ab 2029?
Die deutsche Klärschlammverordnung schreibt für bestimmte große Kläranlagen ab 2029 beziehungsweise 2032 eine Phosphorrückgewinnung vor. Betroffen sind insbesondere Klärschlämme mit höherem Phosphorgehalt.
Die Regelung soll verhindern, dass der wertvolle Rohstoff dauerhaft verloren geht.
Wie lässt sich Phosphor zurückgewinnen?
Es gibt verschiedene Wege:
- Rückgewinnung direkt aus Klärschlamm
- Gewinnung aus Prozesswasser
- Verbrennung des Schlamms und Rückgewinnung aus der phosphorreichen Asche
Welches Verfahren wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt von Anlage, Phosphorgehalt und regionaler Infrastruktur ab.
Warum wird Klärschlamm nicht einfach als Dünger genutzt?
Klärschlamm enthält zwar Nährstoffe, kann aber auch Schadstoffe und Schwermetalle enthalten. Deshalb wurde die direkte landwirtschaftliche Nutzung in Deutschland für größere Anlagen stark eingeschränkt.
Kann recycelter Phosphor natürlichen Dünger ersetzen?
Teilweise. Entscheidend ist, in welcher chemischen Form der Phosphor zurückgewonnen wird und wie gut Pflanzen ihn aufnehmen können. Außerdem müssen Reinheit und Schadstoffgrenzwerte eingehalten werden.
Warum ist das Thema größer als Kläranlagen?
Phosphor ist ein gutes Beispiel für Kreislaufwirtschaft: Ein Stoff, der bisher als Abfallproblem betrachtet wurde, soll wieder zu einem Rohstoff werden.
Dasselbe Prinzip steckt hinter Urban Mining: bereits vorhandene Materialien erneut nutzbar machen, statt ausschließlich neue Rohstoffe zu fördern.