Verpackungen aus Pilzen: Kann Myzel Styropor und Plastik ersetzen?

Was wäre, wenn eine Verpackung nicht geschäumt, sondern gewachsen würde? Genau das ist die Idee hinter Werkstoffen aus Pilzmyzel.

Kurz gesagt: Pilzmyzel ist das feine Fadengeflecht eines Pilzes. Es kann pflanzliche Reststoffe durchwachsen und miteinander verbinden. Nach dem Trocknen entsteht ein leichter Werkstoff, der sich zu Formteilen für Verpackung, Dämmung oder Möbel weiterentwickeln lässt.

Was ist Myzel?

Der sichtbare Pilz ist nur ein Teil des Organismus. Unter oder in seinem Nährboden wächst ein weit verzweigtes Netzwerk aus feinen Fäden: das Myzel.

Dieses Geflecht kann pflanzliches Material durchziehen und miteinander stabilisieren. Genau diese Fähigkeit wird für neue Werkstoffe genutzt.

Wie entsteht eine Verpackung aus Pilzen?

  1. Pflanzliche Reststoffe werden als Substrat vorbereitet.
  2. Ein geeigneter Pilz wird eingebracht.
  3. Das Myzel wächst durch das Substrat und verbindet die Partikel.
  4. Das Material wächst in einer Form in die gewünschte Geometrie.
  5. Durch Trocknung wird das Wachstum gestoppt.

Das Ergebnis kann leicht und formstabil sein – ähnlich zu manchen Schaumstoffverpackungen.

Kann Myzel wirklich Styropor ersetzen?

In bestimmten Anwendungen möglicherweise ja. Besonders interessant sind Schutzverpackungen, Einlagen und Formteile, bei denen geringe Dichte und Stoßdämpfung wichtig sind.

Ein pauschaler Ersatz für sämtliche Kunststoffe ist Myzel aber nicht. Feuchtigkeit, Brandschutz, Haltbarkeit und mechanische Belastung müssen je nach Anwendung genau geprüft werden.

Was macht das Material interessant?

  • pflanzliche Reststoffe können als Ausgangsmaterial dienen
  • der Werkstoff wird in Form „gewachsen“
  • es werden vergleichsweise niedrige Verarbeitungstemperaturen benötigt
  • Materialeigenschaften können über Pilzart, Substrat und Prozess verändert werden

Wo wird aktuell geforscht?

Fraunhofer UMSICHT betreibt seit 2026 in Dortmund ein eigenes Labor und Technikum für substratbasierte Myzelwerkstoffe. Dort werden Prototypen, Substrate und Materialeigenschaften für Verpackungs-, Bau- und Automobilanwendungen entwickelt.

Spannend: Nach dem Trocknen wächst der Pilz nicht einfach weiter. Der fertige Werkstoff wird anschließend wie ein Material behandelt und kann zusätzlich funktionalisiert werden.

Welche Herausforderungen gibt es?

Damit Myzelmaterialien industrielle Kunststoffe wirklich ersetzen können, müssen sie reproduzierbar hergestellt werden. Eigenschaften wie Wasseraufnahme, Brandschutz, Wärmeleitfähigkeit und mechanische Festigkeit müssen zum Einsatz passen.

Auch die tatsächliche Umweltbilanz hängt von Substrat, Energieverbrauch, Trocknung und Transport ab.

Mehr als nur Verpackung

Geforscht wird unter anderem an Schallabsorbern, Dämmstoffen, Fassadenelementen, Möbeln und Bauteilen für Fahrzeuge. Das zeigt, dass Myzel nicht nur eine ungewöhnliche Verpackungsidee ist, sondern eine eigene Materialklasse werden könnte.

Ein ähnlicher Ansatz mit natürlichen Rohstoffen steckt auch hinter Verpackungen aus Algen.

Fazit: Pilzmyzel wird Kunststoff nicht überall ersetzen. Für leichte Formteile aus nachwachsenden Rohstoffen ist es aber eine der spannendsten Materialideen der Bioökonomie.

Quellen & weiterführende Informationen

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